Pressemitteilung
10.11.10

Jahrespressekonferenz 2010 der Hertie School of Governance mit dem Vorsitzenden des Kuratoriums Frank - J. Weise

Bewerberzahlen auf Rekordhöhe

Forschung für die Praxis: aktuelle Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Hartz-Reformen

Berlin, 10. November 2010 – Fünf Jahre nach Aufnahme des Studienbetriebs zieht die Hertie School of Governance in Berlin eine positive Bilanz. „Mit praxisbezogener Forschung, weltweiten Kooperationen und hochklassigen Studierenden hat sich die Hertie School eine Spitzenposition erarbeitet unter den Hochschulen, die Politik und gute Regierungsführung in den Mittelpunkt stellen“, so der Kuratoriumsvorsitzende Dr. h.c. Frank-J. Weise, Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit.

Dekan Prof. Helmut K. Anheier, PhD: „Durch die Finanz- und Wirtschaftskrise stehen unsere Lehr- und Forschungsinhalte noch mehr im Scheinwerferlicht: International werden Lösungen für ein besseres Regierungs- und Verwaltungshandeln an den Schnittstellen zwischen Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gesucht. Wir liefern hierzu Forschungsergebnisse mit hoher Praxisrelevanz.“

Sowohl im „Master of Public Policy“-Programm (MPP) als auch im „Executive Master of Public Management“-Programm (EMPM) war die Zahl und die Qualität der Studienbewerber für den aktuellen Jahrgang so hoch wie noch nie. Die 100 Teilnehmer des neuen MPP-Jahrgangs wurden aus über 700 Bewerbern ausgewählt und kommen aus 40 Nationen. Einige von ihnen streben ein Doppeldiplom an einer der Partnerhochschulen an, darunter die London School of Economics, die Columbia University und die Sciences Po in Paris. Das Netzwerk ihrer Partnerschaften baut die Hertie School kontinuierlich aus – neu dabei sind die Maxwell School der Syracuse University und das Institute of Social Studies in Den Haag.

Die Forschungsstärke der Hertie School zeigt sich an den Publikationsleistungen ihrer 18 Professoren, den von ihnen betreuten Doktorarbeiten – insgesamt 88 seit 2007 – sowie der erfolgreichen Einwerbung von Drittmitteln für Forschungsprojekte: Im laufenden Jahr wurden bereits zwei Millionen Euro eingeworben.  Weise: Hartz-Reformen haben für Transparenz auf dem Arbeitsmarkt gesorgt. Der Erfolg staatlichen Handelns lasse sich heute vor allem daran messen, inwieweit es dem Staat gelinge, bessere Leistungen für die Bürger zu erbringen, erklärt Frank-J. 

Weise am Beispiel der Hartz-Reformen: „Das erste Verdienst der Hartz-Reformen war es, Transparenz und Ehrlichkeit über die wahren Umstände am Arbeitsmarkt herzustellen. Erstmals sind die Menschen als arbeitslos erkennbar und sichtbar geworden, die zuvor in der Sozialhilfe versteckt waren. Das zweite Verdienst war der Grundsatz des Förderns und Forderns. Damit wurden die Weichen gestellt vom fürsorgenden Sozialstaat zum aktivierenden Sozialstaat. Und schließlich haben die Hartz-Gesetze die Grundlage geschaffen für den Umbau der Bundesanstalt für Arbeit zur Bundesagentur für Arbeit, also den Weg bereitet von der schwerfälligen Behörde zum modernen Dienstleister. Um diesen Weg fortzusetzen, werden Führungskräfte mit einem breiten Kompetenzprofil und einer unternehmerischen Haltung benötigt, wie sie die Hertie School ausbildet.“ 

Wie muss es weitergehen nach Hartz IV?
Prof. Dr. Anke Hassel von der Hertie School of Governance hat aktuell eine umfangreiche Analyse der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik seit der Agenda 2010 vorgelegt. Ihr Resümee: „Hartz IV hat den Arbeitsmarkt aktiviert und mehr Langzeitarbeitslose in Arbeit gebracht, aber Deutschland auch eine Spitzenposition bei der Beschäftigung im Niedriglohnbereich verschafft. Das Grundproblem einer zu hohen Kostenbelastung im unteren Bereich des Arbeitsmarktes wurde durch die Hartz-Reformen nicht gelöst.“


Hassel zieht daraus folgende Schlüsse: Um Anreize für die Vollzeitbeschäftigung von Geringqualifizierten zu schaffen, müsse die Abgabenlast für diese gesenkt, ein gesetzlicher Mindestlohn eingeführt und die finanziellen Anreize für geringfügige Beschäftigung reduziert werden. Zudem sollte der Anteil der Sozialversicherungsbeiträge an der Finanzierung der Sozialausgaben gesenkt werden, um gering entlohnte Arbeit und damit die Aufnahme einer Vollzeitbeschäftigung für Langzeitarbeitslose attraktiver zu machen. „Für eine langfristige und nachhaltige Lösung wird es von zentraler Bedeutung sein, die fiskalischen Beziehungen zwischen Sozialversicherungen, Bund, Ländern und Gemeinden neu zu strukturieren. Vor allem der im internationalen Vergleich hohe Anteil der Versicherungsbeiträge am Gesamthaushalt sollte gerade für Bezieher von niedrigen Einkommen gesenkt werden", so Anke Hassel.


Prof. Anke Hassel: Drei Empfehlungen an die Politik (160 KB)


Prof. Anke Hassel: Grafiken (240 KB)