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27.04.17

#Partypeople?! Was tun für mehr junges Engagement in politischen Parteien?

Vorstellung eines Berichtes von Polis180 und der Hertie School-Studierenden.

Obwohl über 40 Prozent der unter 25-Jährigen in Deutschland politisch interessiert sind, stagniert das Interesse an parteipolitischem Engagement auf sehr niedrigem Niveau. Nur 8 Prozent der Parteimitglieder sind unter 30. Der Thinktank Polis180 hat sich zusammen mit Studierenden der Hertie School of Governance und Parteivertretern auf die Suche nach Gründen gemacht, Empfehlungen für Parteien entwickelt und in einem Workshop-Bericht zusammengefasst.

Probleme identifiziert das Papier bereits beim Image von Parteien. Deren Ruf sei bei jungen Menschen deutlich schlechter als die gelebte Praxis. Seitens der Parteien werde zu wenig getan, um dagegen anzugehen. Auch verliefe der Erstkontakt zwischen jungen Interessenten und Parteien oft enttäuschend. Zu unspezifisch und vor allem auch zu langsam sei der Prozess vom Erstkontakt bis zur Begleitung junger Neu-Mitglieder. Trotz mancher Versuche haben die Parteien vor allem in drei Bereichen noch keine Antworten gefunden: Die hohe Mobilität junger Menschen steht gegen das parteitypische Prinzip der Ortsgebundenheit. Digitale Kommunikations- und Partizipationsmöglichkeiten in Parteien hinken der Lebenswelt junger Menschen hinterher. Dem Wunsch, sich konkret und zeitlich befristet zu engagieren, stehen Parteien oft mit leeren Händen gegenüber.

Der Bericht entwickelt eine Reihe konkreter Vorschläge, um diese Probleme anzugehen. So könnten sich politisch interessierte Menschen über einen „Join-O-Mat“ online und interaktiv mit den verschiedenen Parteien vertraut machen. Eine simple App könnte Interessierte mit gleichaltrigen Parteimitgliedern in ihrer Nähe in Kontakt bringen. Eine zeitlich befristete „Bundesmitgliedschaft“ anstelle der Anbindung an einen Ortsverein könnte die Phase der hohen Mobilität während Ausbildung und Studium überbrücken.   

„Mobilität, Digitalisierung und neue Partizipationsbedürfnisse sind die Schlüsselbereiche, an die die Parteien ranmüssen. Umgekehrt brauchen wir aber auch bei den Jungen mehr Durchhaltevermögen. Über Nacht verändert man eben nichts“, resümiert Julian Zuber, Polis180-Vorstandsmitglied und Verfasser des Berichts.  

Der Bericht „#Partypeople – Junges Engagement in politischen Parteien“ wurde am 27. April an der Hertie School of Governance vorgestellt und mit Henning Otte, MdB, Mitglied im Bundesvorstand und Mitgliederbeauftragter der CDU Deutschlands, sowie dem Soziologen und Jugendforscher Klaus Hurrelmann von der Hertie School und anderen diskutiert. Weitere Information: https://www.hertie-school.org/en/partypeople/